„Tipps zur Ausrüstung“

– Grundlagen zum Gebrauch der Filmausrüstung –

Bevor eine Live-Band Musik machen kann, muss sie erst ihre Instrumente stimmen, denn sonst klingt es sicherlich schräge. In ähnlicher Weise müssen wir unsere Ausrüstung und Werkzeuge richtig einstellen, bevor wir mit dem Filmemachen beginnen. Die Kamera, die Mikrofon-Boomstange, die Schnittsoftware und verschiedene digitale Werkzeuge sind unsere Instrumente, mit denen wir Filme machen wollen. Aber wir müssen sie zuerst beherrschen, bevor wir sie benutzen können.

Es ist sinnvoll, dieses Kapitel zunächst ganz durchzulesen, aber du kannst auch bei Bedarf zurückblättern, um den Inhalt aufzufrischen, wenn du es für nötig hältst.

Betrachte die Filmausrüstung, die du verwendest, als Instrument und nicht nur als technisches Gerät. Auch wenn eine Kamera viele Knöpfe hat und Strom verbraucht, um zu funktionieren, besteht ihre Hauptaufgabe darin, dir zu helfen, eine visuelle Welt zu erschaffen. Man muss seine Sinne einsetzen, wenn man die Ausrüstung benutzt – die Ausrüstung als Instrument, um sich auszudrücken, sollte im Mittelpunkt stehen.

Das Wichtigste ist, dass du keine Angst hast, die Ausrüstung zu benutzen. Egal, ob es sich um eine hochmoderne Ausrüstung oder nur um dein Handy handelt, solltest du es so oft wie möglich benutzen – am besten von Anfang an.

Eine gute Möglichkeit, sich mit der Ausrüstung vertraut zu machen, besteht darin, ihre Funktionen in Form von kurzen „Erklärvideos“ oder „Tutorials“ zu beschreiben. Ihr könnt kleine Gruppen bilden und jede Gruppe dreht ein kurzes Video über die verschiedenen Teile der Ausrüstung – welche Videos ihr drehen sollt, hängt natürlich von der Art von Ausrüstung ab, die ihr habt.

Im Lehrgang „Tipps zur Ausrüstung“ gehen wir folgende Themen an:

Aber egal welche Ausrüstung du im Moment hast hast, oder du dir in Zukunft zulegen wirst, gelten folgende Daumenregeln:


Kapitel 1: Welche Kamera soll ich wählen?

ANMERKUNG: Dieses Kapitel richtet sich vor allem an Personen, die für den Kauf und die Wartung der Filmausrüstung zuständig sind.

In der professionellen Welt gibt es viele verschiedene Kameras, und welche du wählst, hängt von deinen Bedürfnissen und deinem Budget ab. In der Schule ist das etwas anderes. Hier wird dieselbe Ausrüstung für viele verschiedene Projekte verwendet und von vielen verschiedenen Benutzern bedient. Deshalb ist es wichtig, von Anfang an die richtige Wahl zu treffen.

Was genau zu deinen Bedürfnissen und deiner Lehranstalt passt, wird sehr unterschiedlich sein, und es gibt viele Faktoren, die dabei eine Rolle spielen: Preis, Qualität und Benutzerfreundlichkeit.


Es gibt grundsätzlich 3 verschiedene Kameratypen, die für euch in Frage kommen:

1. Das Mobiltelefon:

Das Mobiltelefon ist die schnelle und einfache Wahl – jeder hat bereits eines. Du kannst sogar verschiedene Kamera-Apps und anderes Zubehör verwenden, um Dein Mobiltelefon benutzerfreundlicher zu machen und seine Funktionalität erheblich zu erweitern. 

Aber was auch immer du tust, es wird immer ein Mobiltelefon mit einer eingebauten Kamerafunktion sein, keine Filmkamera. In einem Mobiltelefon steckt nicht viel Filmtechnik oder Inspiration, weshalb es für einige Schüler schwierig sein kann, es ernst zu nehmen. Außerdem gibt es so viele andere Dinge auf dem Handy, von denen man sich leicht ablenken lässt.

Einer der größten Nachteile ist der Ton, denn das Mobiltelefon hat nur ein kleines eingebautes Mikrofon. Entweder musst Du in ein externes Mikrofon investieren oder Du musst Dich in der Nähe der Tonquelle aufhalten. So oder so ist es schwer einen wirklich guten Ton mit dem Handy aufzunehmen.

Ein weiterer Nachteil ist, dass man keine narrativen Techniken wie z. B. die Schärfe ziehen kann und dass man nur begrenzt manuelle Einstellungen vornehmen kann. Oft wird das Bild einfach nur vom Handy übernommen, was den Schülern einen Teil des Lerneffekts nimmt.

Noch ein Problem bei Mobiltelefonen ist das feste Weitwinkelobjektiv, das die meisten haben. Das bedeutet, dass man Nahaufnahmen, die ein wesentlicher Bestandteil der Filmsprache sind, nicht auf natürliche Weise machen kann – man muss entweder unnatürlich nah an das Motiv herangehen oder digital zoomen, was zu einem sehr pixelierten Bild führt. Einige der modernsten Handys sind mittlerweile mit mehreren Objektiven ausgestattet, was diesem Problem ein bisschen Abhilfe verschafft.

Aber das Telefon hat auch seine Vorteile – es ist großartig, wenn man es in der Hand hält oder in eine Ecke stellt, in der man sonst keine Kamera unterbringen könnte, weil es so klein und schmal ist. Das öffnet die Tür für interessante und untraditionelle Kamerawinkel.

Handys eignen sich in erster Linie für schnelle Übungen, sehr kurze Geschichten und Skizzen – wenn man einen richtigen Film mit dem Handy machen will, sollte man sich ein Stativ besorgen, eine gute Kamera-App (kostet wahrscheinlich ein bisschen) und das Handy in erster Linie als echte Filmkamera behandeln, nicht als Handy, das filmen kann. Und das erfordert eine Menge Disziplin. 


2. DSLR – Digitale Spiegelreflexkamera:

Die digitale Spiegelreflexkamera, auch Standbildkamera genannt, hat sich zu einer preiswerten und beliebten Alternative zu einer echten Videokamera entwickelt.

Wenn es allein um die Bildqualität geht, hat die Wahl einer DSLR-Kamera ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Bauweise der Kamera ermöglicht einen großen Bildsensor, der sowohl eine geringe Schärfentiefe bietet und auch oft lichtempfindlicher ist als kleinere Chips. Gleichzeitig verfügt er über einen größeren Dynamikumfang, d. h. mehr Graustufen zwischen Schwarz und Weiß.

Aber in einer Unterrichtssituation ist die Bildqualität vielleicht nicht immer das Wichtigste. Wenn wir die geringe Schärfentiefe nehmen, bedeutet das auch, dass die Schüler besonders auf die Schärfe achten müssen, sonst kommen sie mit vielen unscharfen Bildern nach Hause, was sehr demotivierend sein kann. Und obwohl viele neuere digitale Spiegelreflexkameras über hervorragende Autofokusfunktionen verfügen, kann es eine Weile dauern, bis sich die Schülerinnen und Schüler mit diesen Funktionen vertraut gemacht haben.

Um eine hervorragende Bildqualität zu erzielen, must du bei den meisten DSLR-Kameras im „RAW-Modus“ filmen. In diesem Modus sammelt die Kamera die meisten Bildinformationen. Das bedeutet aber auch, dass du im Bearbeitungsprogramm eine Farbkorrektur vornehmen must, da das Bild sonst sehr flach und farblos erscheint.

Wie bei Mobiltelefonen sind die Audiooptionen bei einer DSLR-Kamera sehr begrenzt. Du brauchst eine Menge zusätzlicher Ausrüstung, damit es richtig funktioniert.

Tatsache ist, dass DSLR-Kameras für die Aufnahme von Standbildern konzipiert sind. Sie können zwar auch für die Herstellung von Filmen verwendet werden, erfordern aber in der Regel eine Menge zusätzlicher Ausrüstung, die Geld kostet und leicht kaputt gehen kann.

Wenn die Bildqualität wichtig ist und du Schüler hast, die erfahren sind und die Zeit und Motivation haben, sich mit der Kamera vertraut zu machen, können DSLR-Kameras eine gute Alternative sein, aber du solltest abwägen, ob eine echte Videokamera am Ende mehr bringt.


3. Prosumer – die semiprofessionelle Videokamera:

Es gibt viele, viele verschiedene Modelle von semiprofessionellen Camcordern, und egal, wann man sie kauft, am nächsten Tag gibt es ein neues Modell. Aber im Allgemeinen gibt es das kompakte Modell und das semi-professionelle Modell.

Das kompakte Modell:

Hier handelt es sich um einen kleineren Camcorder, der bequem in die Hand passt. Sie sind aufgrund ihrer Kompaktheit einfach zu bedienen und robust und haben in der Regel einen recht großen Zoombereich. Man muss auch darauf achten, wie sie sich bei schlechten Lichtverhältnissen verhalten, was aufgrund des kleinen Bildsensors manchmal ein Problem sein kann.

Das vielleicht größte Problem ist der Ton. Es könnte sich also lohnen, ein Modell zu finden, an dem du einen separaten Griff mit XLR-Audioeingang anbringen kannst.

Kompaktkameras eignen sich am besten für unerfahrene Einsteiger – aufgrund ihrer Bauweise kann kaum etwas kaputt gehen und sie lassen sich aufgrund ihrer Größe leicht mitnehmen. Auf der anderen Seite gibt es nicht so viele Möglichkeiten der manuellen Steuerung.

Das semi-professionelle Modell:

Dies ist ein fast professioneller Camcorder mit allen Funktionen, die man braucht, um seine Geschichte zu erzählen – es gibt einen XLR-Eingang für den guten Ton, man kann den Fokus mit dem Fokusring manuell steuern und es fühlt sich insgesamt wie eine richtige Filmkamera an. Das kann sehr motivierend für die Schüler sein.

Das ist die Kamera, die wir empfehlen würden. Der Preisunterschied zu einer anständigen DSLR-Kamera ist nicht allzu groß. Wenn du dieses Modell in Betracht ziehst, musst du ein wenig recherchieren, weil die Entwicklung so schnell voranschreitet.

Dieses Modell eignet sich am besten für Institutionen, die auf einem höheren Niveau in der Filmproduktion arbeiten wollen – die Schüler sammeln Erfahrungen im Umgang mit einer richtigen Kamera, was sich in der Qualität ihrer Produktionen widerspiegeln wird.


Fazit:

Welche Kamera für dich und deine Einrichtung die richtige ist, ist eine sehr individuelle Angelegenheit, bei der Preis, Benutzerfreundlichkeit und Qualität eine Rolle spielen. 

Bevor du dich entscheidest, solltest du dir Gedanken über deine Bedürfnisse und die deiner Schüler machen – wir sind alle unterschiedlich. Wenn du zu den Menschen gehörst, die sich über Megapixel und Bitrate Gedanken machen, brauchst du einen anderen Kameratyp, als wenn du die Kamera einfach nur aus der Tasche ziehen und sofort loslegen willst. 

Was willst du deinen Schülern mit dem Filmkurs vermitteln? Sollen sie in der 8. Klasse der Grundschule nur einen Eindruck davon bekommen, wie man Filme macht, oder sollen sie Abschlussfilme machen, die im Kino vor einem Publikum gezeigt werden?

In der 7. Klasse sind eine 4K-Auflösung und ein Dynamikbereich von 16 Blenden vielleicht nicht so wichtig – vielleicht reicht hier das Handy?

Egal welchen Kameratyp du wählst, solltest du dir über folgendes Gedanken machen:


Zubehör – Was gehört zur Kamera noch dazu?

Stativ:
Ein gutes Stativ ist ein wichtiger Teil einer guten Kameraausrüstung. Das Stativ sollte zur Kamera passen und auf keinen Fall unter-proportioniert sein – das heißt, die Kamera sollte nicht zu groß und schwer für das Stativ sein. Je schwerer das Stativ, desto gleichmäßigere Bewegungen kannst du damit ausführen, da mehr Masse bewegt wird.

Das Stativ sollte eine Wasserwaage haben, damit die Kamera nivelliert werden kann – vorzugsweise sollte das mit dem Stativkopf möglich sein.

Kaufe ein hochwertiges Stativ , damit es eine Weile hält – vor allem die Schrauben sollten sich nicht ganz herausdrehen lassen – sonst fehlen sie ständig.

Zu einem guten Stativ gehört eine gute Tragetasche – sie kann etwas größer sein, und es ist gut, wenn sie wasserdicht ist. 

Batterien und Ladegerät
Du brauchst zusätzliche Batterien, am besten drei pro Kamera. Je nach Modell gibt es verschiedene Größen. Wenn du neue Batterien kaufst, nimm die großen.

Wenn du ein zusätzliches Ladegerät kaufst, dann achte darauf, dass du eins findest, mit dem du zwei Batterien gleichzeitig aufladen kannst. Dann musst du nachts nicht aufstehen und die Batterien wechseln.

Kameratasche
Es ist eine gute Idee, eine ordentliche Tasche für Deine Kamera zu kaufen – diese wird die Lebensdauer Deiner Kamera erheblich verlängern.

Die Tasche sollte groß genug sein, um die Kamera, die Klappe, die Akkus und das Ladegerät sowie die Audioausrüstung unterzubringen – und es sollte noch Platz für etwas mehr sein, denn Platz braucht man in einer Tasche immer.

Die Tasche sollte außerdem unbedingt wasserdicht sein und die Reißverschlüsse sollten von guter Qualität sein, da sie sonst schnell kaputt gehen.

Überlege Dir eventuell, ob ein Koffer nicht besser wäre?

Aber das Wichtigste ist, dass die Kamera zu der Gruppe von Schülern passt, die du unterrichtest. Sie sind diejenigen, die mit der Kamera arbeiten werden, und sie sind diejenigen, die letztendlich motiviert werden müssen, ihren Film zu machen. Und hier sollte die Kamera eine Hilfe sein, und nicht ein Hindernis für ihre Kreativität.


Kapitel 2: Die Kamera und ihre Grundfunktionen

Es gibt viele verschiedene Kameratypen, aber egal, ob die Kamera in deinem Mobiltelefon eingebaut ist oder eine professionelle Kamera, die Hunderttausende von Dollar kostet – sie funktionieren alle auf dieselbe Weise:

Abbildung:

Der Hauptzweck des Objektivs besteht darin, das Licht auf den Bildsensor zu bündeln. Wie beim menschlichen Auge wird das Bild auf dem Kopf stehend erzeugt.

Das Licht wandert durch die verschiedenen Linsen des Objektivs. Je besser die Linsen sind, desto weniger Licht geht dabei verloren und desto besser ist die Bildqualität.

Der Bildsensor (oft auch einfach Chip genannt) wandelt Lichtstrahlen mit hilfe lichtempfindlicher Pixel in elektrische Signale um – je mehr Pixel, desto höher die Auflösung des Bildes. 

Eine höhere Auflösung bedeutet jedoch nicht automatisch eine bessere Qualität – es gibt auch einen großen Unterschied in der Qualität der einzelnen Pixel.

Die elektrischen Signale durchlaufen dann eine Reihe von Prozessen innerhalb der Kamera und werden schließlich in ein Dateiformat umgewandelt, das von Video- und  Bildbearbeitungsprogrammen gelesen werden kann.

Schließlich werden die Dateien auf einem Aufnahmemedium gespeichert – entweder intern im Telefon oder auf einem mobilen Speicher wie einer SD-Karte.

Grundlegende Kamerafunktionen:


ISO/Gain

Beide Einstellungen können das Bild heller machen, allerdings auf Kosten höheren Bildrauschens.

ISO beschreibt die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors in der Kamera. Normalerweise haben alle Sensoren einen Basiswert, für den der Sensor optimiert ist. Bei modernen Kameras liegt dieser Wert bei etwa ISO 800, aber sieh in der Bedienungsanleitung nach, wie hoch der Basiswert deiner Kamera ist. (Einige professionelle Kameras haben zwei ISO-Basiswerte – damit kann man auch in schlechten Lichtverhältnissen aufnahmen machen.)

Wenn du in einer oder mehreren Szenen zu wenig Licht hast, kannst du den ISO-Wert erhöhen, aber sei dir bewusst, dass du dadurch Bildrauschen hinzufügst – das kann sehr störend sein. Es wird empfohlen, den ISO-Wert nur im absoluten Notfall zu erhöhen, und dann nur so viel wie absolut notwendig.

Gain hat im Grunde dieselbe Funktion wie ISO, nur die Maßeinheit ist eine andere. Die Verstärkung wird in DB gemessen, aber genauso wie ISO fügt die Benutzung der Gain-funktion dem Bild unerwünschtes Rauschen hinzu. 

Als Ausgangspunkt sollte der Gain nicht benutzt werden (0 DB – kein Rauschen), aber wenn du unbedingt dein Bild erhellen musst, wird dir geraten den Gain nicht höher als 12DB einzustellen.

Stelle den ISO/Gain-Wert immer manuell ein, sonst fügt die Kamera dem Bild Rauschen hinzu, ohne dass du es rechtzeitig bemerkst.

ISO/Gain (Basiswert/0 DB – kein Rauschen):

ISO/Gain (beide Werte erhöht – viel Rauschen):


Weißabgleich (WB – eng.: White Balance)

Alles Licht, das wir jeden Tag sehen, hat eine Farbtemperatur. Die wird in Grad Kelvin gemessen.

Der Weißabgleich ist die Funktion, mit der du der Kamera zeigst, welche Kelvin-Grade sie als „weiß“ oder „neutral“ betrachten soll. Unsere Augen stellen sich automatisch auf die verschiedenen Farbtemperaturen ein, ohne dass wir es merken. Die Kamera hat auch eine automatische Weißabgleichsfunktion, aber es wird empfohlen, sie manuell einzustellen. Andernfalls versucht die Kamera beim Filmen, die Farbtemperatur selbst auszugleichen, und das kann das Publikum aus der Geschichte raus bringen.

Im Grunde genommen arbeiten wir mit zwei festen Einstellungen:


Verschlusszeit (eng. shutter speed) und Bilder pro Sekunde (eng. fps – frames per second)

Die Verschlusszeit bestimmt im Wesentlichen die Dauer der Belichtung deines Bildes. Film und Video funktionieren durch die Belichtung einer Reihe von Standbildern in schneller Folge.

Unser Videostandard in Europa ist PAL (Phase Alternating Line), was bedeutet, dass wir im Allgemeinen mit 25 Bildern pro Sekunde aufnehmen. In den USA ist der Standard NTSC (National Television Standard Committee), was bedeutet, dass wir mit 30 Bildern pro Sekunde aufzeichnen.

Der Unterschied ist auf die Frequenz zurückzuführen, mit der unsere verschiedenen Stromnetze arbeiten – in den USA sind es 60 Hertz (60 geteilt durch 2 ergibt 30 fps) und in Europa 50 Hertz (50 geteilt durch 2 ergibt 25 fps). Du dividierst durch 2, weil der Verschluss offen (Bild wird belichtet) oder geschlossen (Bild wird nicht belichtet) sein kann, was bei 25 fps eine Frequenz von 50 ergibt. 

Das bedeutet auch, dass die technisch korrekte Einstellung des Verschlusses 1/50 Sekunde beträgt, d. h. die Hälfte der Zeit wird das Bild belichtet, die andere Hälfte nicht. Mit anderen Worten: Eine schnelle Bewegung im Bild (z. B. eine rennende Person) bewegt sich während der Belichtung des Bildes genauso weit wie die Zeit zwischen zwei Bildern. Wenn Du mit 30 Bildern pro Sekunde fotografierst, ist die technisch korrekte Verschlusszeit 1/60 Sekunde.

Da wir aber in Europa Filme machen, gehen wir davon aus, dass Deine Kamera auf 25 fps eingestellt ist (bitte vergewissere sich, dass das der Fall ist – schau im Bedienungshandbuch der Kamera nach, falls nötig)

HINWEIS: Iphones und andere Smartphones werden in der Regel für den US-Markt produziert, weshalb sie standardmäßig auf 30 fps eingestellt sind. Hier musst Du in die Einstellungen gehen und das Telefon auf den PAL-Bereich umstellen. 

Die Verschlusszeit wirkt sich auf zwei verschiedene Arten auf dein Bild aus:

Obwohl die technisch korrekte Verschlusszeit in der PAL-Region bei 25 Bildern pro Sekunde 1/50 beträgt, kann es vorkommen, dass du aus technischen oder künstlerischen Gründen eine andere Verschlusszeit verwenden möchtest:

Wie bei allen Kamerafunktionen kannst Du die Verschlusszeit als kreatives Werkzeug nutzen, um deine Geschichte zu erzählen – du musst nur aktiv entscheiden, welche Verschlusszeit Du verwenden möchtest.


ZeitlupenaufnahmeSlowmotion

Viele Kameras verfügen über eine Zeitlupenfunktion, mit der sich alles in deinen Bildern langsamer bewegen. Die Zeitlupe wird mit viel mehr Bildern pro Sekunde aufgenommen und dann im Schnittprogramm in normaler Geschwindigkeit wiedergegeben.

Wenn du mit 50 fps aufnimmst und dann mit 25 fps wiedergibst, dauert die Sekunde, die du aufgenommen hast, plötzlich 2 Sekunden, wenn du mit 100 fps aufnimmst und das mit 25 fps wiedergibst, dauert eine Sekunde 4 Sekunden, usw.

Es ist eine gute Idee, eine durch 25 teilbare Zahl von Bildern pro Sekunde zu wählen, um den Effekt flüssiger zu machen (es sei denn, Du willst, dass es ein wenig abgehackt aussieht).

Es empfiehlt sich auch, die Verschlusszeit zu verlängern, damit die Bilder kürzer belichtet werden – auch das lässt den Effekt flüssiger erscheinen.

Beachte, dass sowohl eine höhere Bildfrequenz als auch ein schnellerer Verschluss mehr Licht für die Belichtung erfordern – wenn Du mit 50 Bildern pro Sekunde und einem 1/200er Verschluss arbeitest, benötigst du viermal so viel Licht wie bei einer normalen Bildfrequenz von 25 Bildern pro Sekunde und einem 1/50er Verschluss.

Das Internet ist voll von tollen Tipps für Zeitlupenaufnahmen, also leg los. Suche auf YouTube nach „Verschlusszeit für Zeitlupenaufnahmen“ – dort findest du wahrscheinlich eine Menge nützlicher Tipps.


BelichtungBlende, Iris, Aperture

Es gibt viele Bezeichnungen dafür, aber alle beziehen sich auf dieselbe Grundfunktion: die Lichtmenge, die auf den Bildsensor trifft.

Wahrscheinlich kennst du das als eine Funktion deiner eigenen Augen. Auch wir Menschen haben eine Iris, die sich bei Dunkelheit vergrößert und bei Helligkeit verkleinert. Auf diese Weise steuern wir unbewusst, wie viel Licht auf unsere Lichtrezeptoren im hinteren Teil des Auges trifft. 

Das Gleiche gilt für die Blende an einer Kamera. Dabei handelt es sich buchstäblich um eine Öffnung, deren Größe du einstellen kannst und die sich in der Regel auf der Rückseite des Objektivs befindet. Indem Du die Größe der Blende veränderst, kannst Du steuern, wie viel Licht auf den Bildsensor der Kamera fällt. 

Die Blende, d. h. die Lichtmenge, die auf den Bildsensor der Kamera trifft, wird in foot-candles gemessen (Blende, Blendenwert oder Blendenöffnung verwenden alle die gleiche Skala, die auf foot-candle basiert, nämlich den F-stop).

1 foot-candle ist die Lichtmenge, die von einer Kerzenflamme in einem Abstand von einem Fuß (ca. 30 cm) ausgestrahlt wird. Jede Blendenstufe verdoppelt oder halbiert die Lichtmenge, d. h. je höher die Zahl, desto kleiner ist die Öffnung und desto weniger Licht trifft auf den Sensor. Je niedriger die Zahl ist, desto größer ist die Öffnung und desto mehr Licht trifft auf den Sensor.

Abbildung:

Die technisch richtige Belichtung eines Bildes besteht darin, dass bei einer gegebenen Lichtmenge, die auf eine mit 18 % Grau gefärbte Oberfläche trifft, dieselben 18 % Grau im Bild bei einer gegebenen Blende wiedergegeben werden.

In der Praxis ist die „richtige“ Belichtung jedoch sehr viel abstrakter und intuitiver. Sie hängt davon ab, was du persönlich in einer bestimmten Situation und beim Erzählen einer Geschichte für richtig hältst – was sich bei dem einen Film richtig anfühlt, kann sich bei einem anderen falsch anfühlen.

Als Daumenregel gilt jedoch:

Bei einer guten Belichtung geht es darum, ein Gleichgewicht zwischen Hell und Dunkel herzustellen, das der Geschichte und den Emotionen entspricht, die Sie erreichen wollen.

Mit anderen Worten: die meisten Teile eines gut belichteten Bildes sind entweder überbelichtet oder unterbelichtet. Es ist die Balance über das ganze Bild hinweg, die den Eindruck vermittelt, dass sich die Belichtung „richtig“ anfühlt.

Abbildung:

Wie du auf dem Bild oben sehen kannst, gibt es viele Bereiche, die ziemlich dunkel oder fast schwarz sind. Andere Bereiche sind dagegen sehr hell. Es gibt kaum technisch „richtig“ belichtete Bereiche, aber das Ganze fühlt sich gut belichtet und balanciert an.

Kurz gesagt: Es geht nicht darum, dass alle Bereiche eines Bildes gut belichtet sind. Es geht darum, dass die unterbelichteten Bereiche durch die überbelichteten ausgeglichen werden. Wenn es große dunkle Bereiche gibt, muss der kleinere helle Bereich besonders hell sein, um ein Gleichgewicht herzustellen.

Wenn du ein Bild machst, bei dem alles technisch korrekt belichtet ist, wirkt es oft flach und langweilig. Es ist die Dynamik zwischen Hell und Dunkel, die dem Betrachter ein ästhetisches und interessantes Erlebnis vermittelt.


Fokus

Es gibt nicht viel Ärgerlicheres als ein Haufen verschwommener Bilder beim Anschauen eines Films. Fast so schlimm, wie der schlechte Ton. Deshalb ist es auch wichtig, dass Du besonders auf die Schärfe achtest. Der Zuschauer wird einfach aus der Geschichte herausgerissen, wenn er auf unscharfe Bilder sehen muss.

Schärfe bedeutet einfach, dass das Motiv, das auf der menschlichen Netzhaut oder auf dem Bildsensor einer Kamera abgebildet wird, scharf erscheint. Bei einer Kamera befindet sich der Fokusring, mit dem man die Schärfe manuell einstellt, in der Regel am vorderen Ende des Objektivs. 

Der Abstand zwischen dem Motiv und dem Bildsensor muss richtig eingestellt sein, damit das Motiv scharf abgebildet wird. Wenn sich entweder das Motiv oder der Kameramann oder beide während der Aufnahme bewegen, so dass sich dieser Abstand entweder vergrößert oder verkleinert, muss die Schärfe kontinuierlich angepasst werden. Eine solche Fokusanpassung wird als Scharfziehen bezeichnet. Bei größeren Produktionen gibt es in der Regel eine Person, die nur dafür verantwortlich ist, dass die Schärfe des Bildes stimmt.

Gerade weil sich sowohl das Motiv als auch die Kamera während der Dreharbeiten bewegen können, kann der Fokus an der Kamera manchmal auf Auto eingestellt werden – der Autofokus moderner Kameras hat sich in den letzten Jahren stark verbessert und ist präziser und funktioneller geworden.

Lies im Bedienungshandbuch deiner Kamera nach, wie Du den Autofokus am besten einsetzt. Wenn es sich um eine etwas fortschrittlichere Kamera handelt, gibt es eine Reihe von Funktionen: Mach dich vor den Dreharbeiten mit ihnen vertraut. Viele Kameras verfügen über eine so genannte Scharfstellhilfe (Focus-Peaking), die auf dem Bildschirm markiert, was gerade scharfgestellt ist.

Tiefenschärfe – Depth of Field

Unser Auge nimmt die Schärfe über die genaue Entfernung (Brennpunkt) zu einem Motiv hinaus wahr. Der Bereich vor und hinter einem Brennpunkt, der noch als scharf wahrgenommen wird, wird als Schärfentiefe bezeichnet.

Abbildung:

Im Bild oben kannst du sehen, dass die Schärfentiefe gering ist, weil nur das Auge als scharf wahrgenommen wird – die Bereiche vor und hinter dem Auge erscheinen unscharf. Dies verleiht dem Bild eine intensive Wirkung, da wir als Betrachter zum Auge hingezogen werden – wir schauen zuerst auf das, was scharf ist.

Die Schärfentiefe ist eine subjektive Sache, die jeder von uns etwas anders empfindet. Es gibt jedoch einige Faustregeln, die Du anwenden kannst, um die Schärfentiefe zu einem aktiven und bewussten Teil Deiner Filmsprache zu machen – das Krokodil im Bild würde wahrscheinlich weniger furchteinflößend wirken, wenn es ganz im Fokus wäre.

Abbildung:

Wie aus der obigen Abbildung ersichtlich, ist die Schärfentiefe (2) keine konstante Größe, sondern hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Außerdem ist die Schärfentiefe nicht gleichmäßig vor und hinter dem Motiv verteilt, sondern steht in einem ungefähren Verhältnis von ⅓ vor und ⅔ hinter dem Motiv.

Der Kameramann in den Abbildungen (a) und (b) dreht dasselbe Motiv mit einer festen Fokusentfernung (1) – die Frau ist in beiden Fällen gleich weit vom Kameramann entfernt. Allerdings ist die Schärfentiefe (2) in Abbildung (a) wesentlich größer als in Abbildung (b). Die unterschiedliche Schärfentiefe in den beiden Beispielen kann verschiedene Ursachen haben.


Checkliste:

Download die Checkliste hier: Checkliste

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Kapitel 3: Objektive und Brennweiten

Das Objektiv ist der Teil der Kamera, der das Licht sammelt und es auf den Bildsensor fokussiert, wo das Bild entsteht.

Die Brennweite der Optik bestimmt, wie groß der Bildausschnitt ist, den wir filmen (Perspektive). Eine niedrige Brennweite entspricht einem größeren Bildausschnitt und eine hohe Brennweite entspricht einem kleinen Ausschnitt. Die Brennweite wird in mm (millimeter) gemessen.

Die normale Wahrnehmung des menschlichen Auges entspricht etwa einem 35-mm-Objektiv auf einem 35-mm-Bildsensor. Objektive mit einer Brennweite von 35-50 mm werden daher auch als Normalobjektive bezeichnet. Brennweiten, die kürzer als 35 mm sind, werden als Weitwinkel bezeichnet, und Brennweiten, die länger als 50 mm sind, als Teleobjektiv

Wenn deine Kamera einen kleineren Bildsensor als 35 mm hat, vergrößert sich die Brennweite des Objektivs. Dies wird auch als Crop-Faktor bezeichnet. Welcher Crop-Faktor für Deine Kamera gilt, kannst Du im Handbuch nachlesen.

Die von dir gewählte Perspektive oder Brennweite hat einen großen Einfluss darauf, wie der Zuschauer eine Szene erlebt: Wenn du ein Teleobjektiv verwendest, hat das Publikum das Gefühl, weit weg zu sein und Betrachter zu sein. Mit einem Weitwinkelobjektiv hat der Zuschauer eher das Gefühl, Teil der Szene zu sein, da die Kamera in der Regel näher am Geschehen ist. Im Allgemeinen verlangsamt ein Teleobjektiv die Bewegung und sorgt für Ruhe, während ein Weitwinkelobjektiv die Bewegung beschleunigt und Dynamik erzeugt.

Abbildung:

Wie du in der Abbildung oben sehen kannst, „sehen“ wir mit einem Weitwinkelobjektiv mehr – obwohl das Motiv (die Figur) in beiden Fällen gleich groß ist, sehen wir mit dem Weitwinkelobjektiv viel mehr vom Hintergrund – unsere Perspektive wird größer.

Welches Objektiv du wählst, hängt davon ab, welche Geschichte du erzählen möchtest und wie du diese erzählen willst. Wenn du dich einmal entschieden hast, ist es eine gute Idee, im gleichen Brennweitenbereich zu bleiben, zumindest innerhalb derselben Szene, damit du die Perspektive des Publikums nicht ständig änderst.

Es gibt zwei verschiedene Arten von Objektiven:

Objektive mit fester Brennweite:
Wenn Du die Perspektive ändern willst, musst Du Dein Objektiv wechseln.

Objektive mit Festbrennweite haben weniger Linsen (Glas), durch die das Licht dringen kann. Daher liefern sie in der Regel eine bessere Bildqualität.  Sie bieten eine höhere Schärfe und haben eine größere Blendenöffnung.

Zoomobjektive:
Bei Zoomobjektiven lässt sich die Brennweite ändern, indem die  Glaselemente im Inneren des Objektivs nach vorne oder hinten verschoben werden. Dies wird als optischer Zoom bezeichnet und ist nicht mit dem digitalen Zoom vergleichbar, der das Bild verpixelt, während der optische Zoom die Auflösung nicht verändert.

Zoomobjektive sind flexibler, weil man das Objektiv nicht wechseln muss, um die Brennweite zu ändern. Andererseits sind sie größer und schwerer, und die Bildqualität ist in der Regel nicht so hoch wie bei Festbrennweiten.

Im Unterricht ist es oft einfacher und praktischer, Zoomobjektive zu wählen, weil sie flexibler sind und die Bildqualität nicht so entscheidend ist. Die Gefahr bei der Verwendung von Zoomobjektiven besteht jedoch darin, dass man sich die verwendeten Brennweite nicht bewusst macht und daher mehr oder weniger wahllos hinein- oder heraus zoomt. Mach dir lieber Gedanken über die Brennweite, und setze sie bewusst ein.


Kapitel 4: Tipps zur Tonausrüstung

Denke daran, dass der Ton genauso wichtig ist wie das Bild. Nichts ist so schädlich für einen Film wie ein schlechter Ton. Vergewissere dich  also, dass du die richtige Ausrüstung hast, um gute Tonaufnahmen zu machen. Hier solltest du auf keinen Fall an der falschen Stelle sparen.

Die Entwicklung geht extrem schnell, deshalb ist es eine gute Idee, sich gründlich zu informieren, bevor man in seine Audioausrüstung investiert. Welches Audio-Equipment das richtige ist, hängt von der verwendeten Kamera und der Art der Produktionen ab.

Abbildung:

Kleine Produktionen mit Deinem Mobiltelefon

Das Problem mit dem Ton und Mobiltelefonen ist, dass man sich beim Aufnehmen mit dem Telefon in der Nähe der Tonquelle befinden muss, weil das Mikrofon im Telefon nicht so gut ist. Es gibt aber ein paar Möglichkeiten, den Ton für wenig Geld zu verbessern. Gib dich also nicht mit dem eingebauten Mikrofon in deinem Handy zufrieden.

Es gibt kleine Mikrofone, die direkt an dein Mobiltelefon angeschlossen werden können. Die Mikrofone sind mit unterschiedlichen Anschlüssen ausgestattet, je nachdem, welches Handy-Modell du hast. Sie lösen jedoch nicht das Problem der Entfernung zum Telefon, obwohl sie in der Regel einen besseren Klang haben als das eingebaute Mikrofon.

Eine andere Möglichkeit, besteht darin, den Ton mit einem zweiten Mobiltelefon aufzunehmen, das sich entweder in der Nähe der Tonquelle befindet oder an einem Stab oder Stativ befestigt ist. Wenn du dieses Modell verwendest, solltest du dir darüber im Klaren sein, dass beide Mobiltelefone gleichzeitig aufnehmen müssen und dass du eine Klappe oder etwas Ähnliches benutzen musst, um den Ton später in deinem Schnittprogramm zu synchronisieren.

Drahtlose Mikrofone gibt es auch für Mobiltelefone – diese Mikrofone sind klein, und du kannst sie deshalb auch leicht in der Nähe der Tonquelle verstecken oder eine Tonangel verwenden. Beachte die begrenzte Reichweite des drahtlosen Signals und dass es zu Aussetzern oder Rauschen kommen kann, wenn an dem Ort, an dem du aufnimmst, viele andere Signale vorhanden sind – zum Beispiel in der Nähe eines Funkturmes. 

Wenn du eine drahtlose Lösung verwendest, sollten alle am Filmset ihre Telefone ausschalten oder in den Flugmodus versetzen, um die Möglichkeit von Signalstörungen und Unterbrechungen zu minimieren. Hier reicht es nicht aus, das Handy auf stumm zu schalten.

Schließlich kannst du den Ton separat mit einem geeigneten Audiorecorder aufnehmen, für den du geeignete Richtmikrofone verwenden kannst – du musst Bild und Ton dann allerdings auch nachher noch synchronisieren.

Größere Produktionen med einer DSLR

Eine DSLR-Kamera ist als Standbildkamera konstruiert, weshalb der Audioteil für Filmproduktionen oft nicht gut genug ist – nicht zuletzt, weil die Möglichkeiten zur Anpassung der Lautstärke und anderer Dinge nicht ausreichend sind.

Zwar gibt es Mikrofone und Zubehör für DSLR-Kameras, aber der Eingang zur Kamera selbst ist ein Miniklinkenstecker, der sehr empfindlich ist und sehr schnell kaputt gehen kann – vor allem, wenn er von unerfahrenen Benutzern bedient wird. Außerdem nehmen Audiolösungen für DSLR-Kameras viel Platz in Anspruch, was die Bedienung der Kamera schnell unhandlich macht.

Die beste Lösung für die Aufnahme mit DSLR-Kameras ist die separate Aufnahme des Tons mit einem externen Audiorekorder. Die Auswahl ist groß, und es ist am besten, einen robusten Rekorder mit XLR-Eingängen zu wählen. Es ist nicht so wichtig, viele Funktionen zu haben, die nur selten genutzt werden. Entscheide dich für ein Modell, das einfach zu bedienen und robust gebaut ist.

Wenn du dich für diese Option entscheidest, solltest du dir auch eine Filmklappe zulegen.

Produktionen mit einer Videokamera

Die meisten semi-professionellen Videokameras verfügen über einen XLR-Eingang für Audioaufnahmen – entweder sind sie von Haus aus damit ausgestattet oder du kannst diese Option nachkaufen – meist in Form eines Handgriffs für die Kamera.

Vergewissere dich, dass deine Kamera Phantompower liefern kann, d. h. dass die Stromversorgung des Mikrofons über den XLR-Anschluss und die Kamera erfolgt. Es ist wirklich schade, nicht aufnehmen zu können, weil die Batterien für das Mikrofon leer sind, oder man vergessen hat es aufzuladen.

Mit oder ohne Kabel?

In den allermeisten Fällen ist das Richtmikrofon mit einem XLR kabel einfach am besten – es liefert den besten Klang, zumindest wenn man es richtig einsetzt.

Der Nachteil von drahtlosen Lösungen in Unterrichtssituationen ist, dass sie sehr umständlich zu handhaben sind, vor allem wenn sie nicht sofort funktionieren. Man muss die Frequenz finden, sie brauchen Batterien (manchmal sehr viele), und es erfordert einige Übung, die kleinen Mikrofone am Körper eines Schauspielers zu verstecken, ohne dass sie durch die Kleidung viel Lärm verursachen. Darüber hinaus ist die Tonqualität in der Regel nicht so gut wie bei größeren Mikrofonen.

Aber wenn du den Ton aus großer Entfernung aufnehmen musst, oder wenn du die kleinen drahtlosen Mikrofone z. B. an einer Tonangel verwendest, kann dies eine großartige Lösung sein.

Wenn du dich für das Richtmikrofon entscheidest, achte Sie auf die Verarbeitungsqualität – da gibt es einen ziemlich großen Unterschied. Es lohnt sich wirklich nicht, das billigste zu kaufen – zumindest nicht auf lange Sicht.

Tonangel og Mikrofonaufhängung:

Ein gutes Richtmikrofon braucht eine gute Tonangel. Und auch hier gilt: Kaufe gute Qualität aus Karbonfasern z. B. – billige Tonangeln gehen leider sehr schnell kaputt. Kaufe eine wasserdichte Tasche für die Tonangel, um ihre Lebensdauer zu verlängern. 

Die kleinen, billigen Mikrofonaufhängungen, wo man das Mikrofon direkt reinklickt, haben den Nachteil, dass sich der Ton von der Tonangel (bewegung der Finger, die die Tonangel halten z. B.) während der Aufnahme in das Mikrofon ausbreiten – hier solltest du die Finger ganz ruhig beim halten der Tonangel lassen. Bei geübteren Schüler kann man mit Vorteil in eine bessere Aufhängung investieren, die muss allerdings ordentlich gehandhabt werden.

Außerdem sollte man darauf achten, dass das XLR-Kabel nicht an die Tonangel stößt – auch das ist zu hören. Du kannst das kabel ein paar mal um die Tonangel wickeln, damit es aus dem Weg ist.

Schließlich ist es sehr wichtig, einen geeigneten Windschutz für das Mikrofon zu kaufen, speziell, wenn man viele Außenaufnahmen macht. Er sollte aus Fell und nicht aus Schaumstoff sein – je dicker das Fell, desto besser wird der Wind von der Aufnahme ferngehalten. Achte darauf, dass die Größe des Windschutzes zum Mikrofon passt, da es Unterschiede in der Dicke der Mikrofone gibt. Für fortgeschrittene Projekte und Studenten empfiehlt es sich, eine richtige Windschutzkorb-Aufhängung zu kaufen

Kopfhörer:

Es ist schon wichtig, dass man den aufgenommenen Ton auch hört. Da sind Kopfhörer sehr praktisch, aber der Miniklinkenstecker ist leider ziemlich empfindlich und bricht schnell. Kaufe am besten Kopfhörer, bei denen du das Kabel selbst austauschen kannst, ohne die Kopfhörer wegwerfen zu müssen, wenn der Stecker bricht.


Kapitel 5: Tipps zum Licht

Die Entscheidung, welche Beleuchtungsausrüstung man verwenden soll, kann ein wenig überwältigend sein. Glücklicherweise hat die Entwicklung der LED-Technologie dazu geführt, dass Beleuchtungsgeräte einfacher zu verwenden und billiger zu kaufen sind.

In diesem Kapitel beginnen wir mit einem Basis-Beleuchtungspaket, das für die meisten ausreichend ist: Wenn du eine umfangreichere Ausrüstung benötigst, solltest du überlegen, wie oft du sie benutzen willst. In einigen Fällen kann es sich lohnen, die Ausrüstung für Produktionen zu mieten, anstatt sie selbst zu kaufen.

LED-Leuchten: 

Es gibt inzwischen viele verschiedene LED-Leuchten für die Filmproduktion, und Ihre Verwendung können sehr unterschiedlich sein. Hier ist es wichtig, nicht zu billig zu kaufen, sondern auf die Robustheit der Lampen zu achten. Es ist von Vorteil, wenn sie aus Metall sind und eine solide Verarbeitung haben.

Weitere Dinge, die du beachten solltest, sind:

Wenn es um Beleuchtungsausrüstung geht, ist Vielfalt ein guter Ausgangspunkt, denn es gibt so viele verschiedene Situationen, die unterschiedliche Ausrüstung erfordern. Nur du kennst deine Bedürfnisse, also kannst nur du entscheiden, was für dich sinnvoll ist. Hier ein paar Anregungen:

Indirektes Licht:

Ein weiteres wichtiges Hilfsmittel für dein Lichtpaket ist die Möglichkeit des indirekten Lichts. Die beiden am häufigsten verwendeten Hilfsmittel sind Styroporplatten und Reflektorschirme.

Die Styroporplatte ist vorzuziehen, weil sie starr und leichter zu kontrollieren ist. Andererseits nimmt sie mehr Platz beim Transport ein und ist auch zerbrechlicher. Es ist ratsam, mehrere Größen von Styroporplatten zu haben, von vielleicht 30 x 50 cm bis 2 x 2 m und ein Paar dazwischen ist ideal. Wenn du die Möglichkeit hast, kannst du eine Seite der Styroporplatten mit silberner Folie bekleben – dadurch kannst du auch auf längeren Abstand Licht reflektieren. Damit die Styroporplatte länger hält, empfiehlt es sich, den Rand mit Klebeband zu bekleben, damit die Kante nicht bröckelt.

Reflektorschirme sind eine hervorragende Alternative zur Styroporplatte. Sie sind faltbar, leichter zu transportieren und weniger zerbrechlich – aber schwieriger zu kontrollieren und erfordern mehr Konzentration beim Einsatz. Im Gegensatz zur Styroporplatte ist sie flexibel, so dass es schwieriger ist, den richtigen Reflexionswinkel während des Einsatzes beizubehalten. 

Du kannst auch selbst Hand anlegen – so ziemlich alles, was weiß oder hell ist, kann als Reflektor verwendet werden. Ein Stück Pappe mit Papier darauf kann manchmal schon ausreichen, oder ein Mitglied des Filmteams mit einem weißen T-Shirt – alle Tricks sind bei der Beleuchtung erlaubt.


Kapitel 6: Tipps zum Schnitt

Es ist wichtig zu betonen, dass nicht der Computer oder die Schnittsoftware den Film schneidet, sondern du als Filmemacher. Selbst die einfachsten Programme können einen guten Film schneiden.

Bei den Werkzeugen für den Filmschnitt sind zwei Faktoren entscheidend: Hardware und Software. Je mehr Rechenleistung du hast, desto mehr leistungsfähige Programme kannst du benutzen. Es ist besser, ein einfaches Schnittprogramm auf einem leistungsstarken Rechner laufen zu lassen als ein anspruchsvolles Schnittprogramm auf einem langsamen Computer – Latenz und Stottern in Bild und Ton verderben die Lust und Kreativität.

Als Ausgangspunkt solltest du darauf Aufmerksam sein:

Handys und Tablets:

Es gibt viele Apps, die dir beim schneiden deines Films helfen können, und es werden in Zukunft sicher noch viele weitere hinzukommen, also halte dich diesbezüglich auf dem Laufenden.

Halte dich am besten fern von apps, die zu vieles automatisch und vorprogrammiert machen – hier wird deine Kreativität nicht gefördert, und du lernst nichts, also keine gute Kombination.

Eine großartige App, die alle Anforderungen erfüllt, ist Adobe Rush, die sowohl für Android- als auch für Apple-Geräte kostenlos heruntergeladen werden kann. Wenn du auch die Cloud-Lösung von Adobe nutzt (kostenlos mit begrenztem Speicherplatz), kannst du das gleiche Projekt auf mehreren Geräten bearbeiten – allerdings nicht gleichzeitig.

Wenn du ein Tablet benutzt, und größere Ansprüche an dein Schnittprogramm hast, dann ist DaVinci Resolve auch eine gute Möglichkeit – und gleichzeitig kostenfrei zugänglich.

Chromebooks:

Chromebooks eignen sich nicht sehr gut für die Medienproduktion und sollten so weit wie möglich vermieden werden. Wenn du sie dennoch verwenden musst/willst, musst du Bearbeitungsprogramme verwenden, die online laufen. Dies erfordert eine schnelle und stabile Internetverbindung.

Hier gibt es eine Handvoll Optionen, wenn du online unter „film editing chromebook“ suchst. Probiere aus, was für dich am besten funktioniert.

Computer (Laptop & Desktop):

Wenn du die ganze Bandbreite der Filmsprachen nutzen willst, musst du in einen leistungsstarken Multimedia-Computer mit der richtigen Software investieren.

Der Computer sollte über eine leistungsstarke Grafikkarte und eine große und schnelle Festplatte verfügen, (gerne SSD – Solid State Drive). Ein leistungsfähiger Prozessor verkürzt die Render-Zeit und sorgt dafür, dass du ohne stottern schneiden kannst.

Wenn du häufig mit mehreren Personen in Gruppen oder zu zweit arbeitest, ist ein großer Monitor empfehlenswert. Je größer der Bildschirm, desto besser. Wegen dem kleinen Bildschirm sind Laptops in der Regel nicht so gut zum schneiden geeignet, obwohl es mittlerweile auch sehr Leistungsstarke Modelle gibt.

Es sollten gute Lautsprecher oder alternativ gute Kopfhörer vorhanden sein. Die Kopfhörer sollten bequem sein, da du sie wahrscheinlich viele Stunden am Stück tragen wirst. Vergewissere dich, dass es einen geteilten Stecker für die Kopfhörer gibt, wenn mehrere Personen in Gruppen schneiden.

Richte die Räumlichkeiten möglichst so ein, dass sie für das Schneiden geeignet sind – Verdunkelungsmöglichkeiten und gute Belüftungsmöglichkeiten sind wichtig, speziell wenn du an größeren Projekten arbeitest.

Schneideprogramme:

Die beiden Programme, die wir hier hervorheben wollen, sind kostenlos, und es gibt im Internet zahlreiche Anleitungen für sie. Natürlich gibt es auch Alternativen, wenn du ein anderes Programm verwenden möchtest.

Adobe Rush:
Es entspricht der App, aber für Mac oder PC. Es ist ein relativ einfaches Schnittprogramm, das nicht viele Funktionen hat. Aber es ist einfach zu bedienen. 

Adobe Rush eignet sich besonders für kleinere Produktionen, bei denen du vielleicht nicht so viele Feineinstellungen vornehmen musst. Das Programm ist sehr intuitiv und schnell einsatzbereit, was es ideal für Übungen macht. Wenn du die Cloud-Lösung nutzt, kannst du das Projekt mit anderen teilen. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Programm viele verschiedene Dateiformate verarbeiten kann, so dass es bei Bedarf auch zum Konvertieren von Mediendateien verwendet werden kann.

DaVinci Resolve:
Resolve ist ein vollwertiges Schnittprogramm, das von professionellen Editors auf der ganzen Welt verwendet wird.  Es verfügt über integrierte Farbkorrektur- und Audiomodule, sodass du von Anfang bis Ende in Resolve bleiben kannst.

Allerdings erfordert das Programm einen recht leistungsfähigen Computer, und du wirst einige Zeit brauchen, um dich mit der Funktionsweise des Programms vertraut zu machen. 

Resolve eignet sich auch für Gruppenarbeiten, weil es das teilen von Projekten einfach macht.

Die kostenlose Version hat die wichtigsten Funktionen, und dürfte für deine Bedürfnisse ausreichen.

(DISCLAIMER: Film-Fibel hat keine finanziellen Vereinbarungen mit den oben genannten Firmen und die Autoren erhalten keinen Nutzen aus der Empfehlung dieser Programme).